„Es geht nicht nur ums Essen“

2015 kamen viele Flüchtlinge nach Deutschland. Immer mehr gastronomische Projekte werden für die Integration genutzt. Refoodgees ist ein erfolgreiches Beispiel dafür.

von Baydaa Layla

Im Sommer 2015 hatten in Köln zwei Journalisten, ein Pilot und ein Ingenieur eine Idee. Lena, Christian, Jorin und Alex wollten Flüchtlingen helfen, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren – und zwar übers Kochen, über einen sogenannten Foodtruck. Sie gründeten das Projekt „Refoodgees“.

Die Idee, Flüchtlinge übers Kochen zu integrieren, ist nicht neu. Alles begann in Berlin mit einem Projekt namens „Über den Tellerrand“, einer Organisation, die 2013 gegründet wurde. Was als studentisches Projekt begann, hat sich zu einer bereichernden und inklusiven internationalen Gemeinschaft entwickelt, in der Migranten ein Gefühl der Zugehörigkeit finden und Fürsorge und Mitgefühl erfahren. Gleichzeitig bietet es den Menschen die Möglichkeit, ihre Gastgemeinschaften zu bereichern, indem sie ihr eigenes Wissen und ihre einzigartigen Fähigkeiten teilen.

Neu am Projekt der vier Freunde ist, die Integration über einen Foodtruck zu realisieren, ein Phänomen, das seine Wurzeln in den USA hat und sich von dort auf den Rest der Welt ausbreitete. Seit 2008 gibt es auch in Deutschland Foodtrucks. Sie bieten oft hochklassige Gerichte: Statt ungesundem Fast Food gibt es frisch zubereitete Speisen aus erstklassigen Zutaten.

ِEin Foodtruck, der syrisches Essen liefert

„Refoodgees“ betreibt einen Food Truck, der auf Streetfood-Festivals hauptsächlich syrisches Essen anbietet, gekocht von Flüchtlingen. Den Gründern war es wichtig, das Essen aus einem Foodtruck zu servieren: Anstatt sich in kleinen Küchen zum Kochen zu verstecken, sollte das Essen so viele Menschen wie möglich erreichen, also am besten mobil sein. Unterstützt bei der Auslieferung werden die vier Gründer von unzähligen anderen Freiwilligen.

Seit 2015 Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, gab es viele Versuche der deutschen Regierung, die neuen Marktteilnehmer und auch das Bildungssystem zu integrieren. Integration wurde in Form von Stipendien für Flüchtlinge, Deutschkursen oder Lehrstellenvermittlung in verschiedenen Unternehmen angeboten. Auch Sport wurde als Mittel zur Integration eingesetzt, wo gemischte Flüchtlingsgruppen und Deutsche kulturellen Austausch betreiben konnten.

Neben den Integrationsmaßnahmen des Bundes wird die Integrationspolitik auch auf Landes- und Kommunalebene umgesetzt. Alle Bundesländer haben ein Integrationskonzept und/oder entsprechende Richtlinien entwickelt. Drei Bundesländer – Berlin (2010), Nordrhein-Westfalen (2012) und Baden-Württemberg (2015) – haben Integrationsgesetze verabschiedet, die das Engagement für die Migrationspolitik verstärken sollen. Mehrere Gemeinden haben eigene Integrationskonzepte erstellt. Aber nicht nur die Regierung, auch viele Bürger wollten einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in die deutsche Kultur leisten.

„Wie eine Familie unterstützt“

Für Areej al Okla, eine junge syrische Frau aus Rakka, funktioniert das Konzept des Foodtrucks aus Köln gut. Sie sagt: „Es geht nicht nur um Essen. Es geht um Kulturaustausch.“ Es sei wichtig, Zeit zusammen zu verbringen, zu kochen und zu lachen. „Das ist die Idee, die hinter „Refoodges“ steckt“, sagt sie. „Refoodgees“ habe sie „wie eine Familie unterstützt“. „So konnte ich mich in der Gesellschaft engagieren, neue und verschiedene Menschen kennenlernen.“

Kochen als Familie oder mit Freunden und Angehörigen bringt Menschen zusammen, weil wir unsere Kultur und unser Erbe durch Essen teilen und uns gegenseitig mit Nahrung versorgen können. Zusammenkommen und gemeinsam essen ist in fast jedem Ort der Welt das Verbindendste und Verbindlichste. In der Lage zu sein, ein Gericht zuzubereiten und dieses mit den Menschen zu teilen, die man liebt, ist eines der universellsten Konzepte, da es an der Wurzel unseres Überlebens liegt. Das ist auch die Basis für „Refoodgees“.

Die Vision von „Refoodgees“ trägt zur Integration bei, hilft ein neues Leben aufzubauen. Die Freiwilligen helfen den Flüchtlingen auch bei Behörden- oder Arztbesuchen. Im Mittelpunkt steht jedoch die Botschaft, dass bei „Refoodgees“ Flüchtlinge das Essen zubereiten. Für die Gründer ist „Refoodgees“ nicht nur ein Flüchtlingsprojekt, sondern leckeres Essen, nette Leute und vor allem ein Zeichen des Respekts für die Menschen, die dort arbeiten.

 

Foto: Refoodgess 

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